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Seit der verschärften Anwendung internationaler Compliance-Vorschriften (KYC/AML) ist die Eröffnung eines Bankkontos zu einem echten Test für jede Gesellschaft geworden. Eine LLP ohne Kunden, eine LTD ohne Büro oder eine Gesellschaft mit Sitzadresse ohne echte wirtschaftliche Substanz werden große Schwierigkeiten haben, einen Banker zu überzeugen.
Bei Fintechs ist die Logik anders: Die meisten von ihnen akzeptieren eine schnelle Kontoeröffnung, bieten jedoch nicht immer die gleichen Garantien wie eine klassische Bank. Die Wahl der Lösung hängt daher weniger von einer direkten Gegenüberstellung ab als vielmehr von einer Frage des Timings und der Strategie.
Klassische Banken verkörpern Sicherheit. Ein Geschäftskonto bei HSBC in London, BNP Paribas in Paris oder UniCredit in Sofia bietet sofortige Anerkennung. Kunden, Partner und Investoren wissen, dass sie es mit einer seriösen Gesellschaft zu tun haben.
Doch diese Glaubwürdigkeit hat ihren Preis in Form von Geduld und Vorbereitung. Banken verlangen konkrete Nachweise: Gesellschaftssatzung, Handelsregisterauszüge, Geschäftsverträge, Businessplan. Sie eröffnen keine Konten mehr für Briefkastenfirmen. Ein bulgarisches, irisches oder niederländisches Unternehmen muss daher nachweisen, dass es einer tatsächlichen Geschäftstätigkeit nachgeht, andernfalls wird der Banker eine höfliche Ablehnung erteilen.
Angesichts dieser administrativen Langsamkeit haben Fintechs die Spielregeln verändert. Mit Revolut Business, Wise oder Payoneer ist es möglich, innerhalb weniger Stunden online ein Konto zu eröffnen. Diese Tools sind besonders attraktiv für E-Commerce-Händler und Freelancer, die schnell Zahlungen über Stripe oder PayPal empfangen, mehrere Währungen verwalten und über europäische IBANs verfügen müssen.
Ihre Stärke ist jedoch zugleich ihre Grenze. Fintechs bieten nicht immer das vollständige Spektrum an Bankdienstleistungen (Kredite, Bürgschaften, Schecks) an. Manche Steuerbehörden weigern sich sogar, sie als „echte“ Geschäftskonten anzuerkennen.
Deshalb stellen sie oft eine Anfangslösung dar, ideal um die Geschäftstätigkeit von den ersten Tagen an zu betreiben, aber langfristig unzureichend.
In der Praxis kombinieren die meisten Unternehmer beide. Sie beginnen mit einer Fintech, die es ihnen ermöglicht, schnell Rechnungen zu stellen und eine erste Geschäftstätigkeit nachzuweisen. Sobald die Gesellschaft dann über Kunden, Verträge und eine glaubwürdige Substanz verfügt, wenden sie sich an eine traditionelle Bank.
Eine Gesellschaft in Bulgarien kann somit mit Revolut beginnen, um ihre ersten Zahlungen zu empfangen, bevor sie ein Konto bei einer lokalen Bank eröffnet. Eine englische LTD wird sich auf Wise für die Verwaltung mehrerer Währungen stützen und dann auf Barclays, um ihr Image bei Investoren zu stärken.
Die Debatte lautet also nicht so sehr Fintech gegen klassische Bank, sondern Fintech und klassische Bank in einer logischen Abfolge.
Unabhängig von der Wahl bleibt die Vorbereitung der Schlüssel. Sowohl eine traditionelle Bank als auch eine Fintech verlangen mindestens einen gültigen Reisepass, einen Wohnsitznachweis, die Gesellschaftssatzung und eine klare Erläuterung der Geschäftstätigkeit. Je transparenter die Gesellschaft ist, desto höher sind die Erfolgschancen.
Es müssen auch die Anforderungen im Zusammenhang mit der Mehrwertsteuer berücksichtigt werden. Ein Unternehmen, das in Europa Rechnungen stellt, muss in der Lage sein, die innergemeinschaftliche Mehrwertsteuer korrekt zu verwalten. Fintechs ermöglichen einen einfachen Zahlungseingang, aber nur eine klassische Bank bietet eine dauerhafte Grundlage für die Steuerverwaltung.
Die Kontoeröffnung ist kein einfaches technisches Detail: Sie ist der Grundstein jeder internationalen Geschäftstätigkeit.
Bei service-societe.com begleiten wir unsere Kunden bei diesem doppelten Ansatz: sofortige Fintech-Eröffnung und anschließende Einrichtung eines traditionellen Bankkontos, sobald die Voraussetzungen erfüllt sind.